Ortsgruppenleiter

Der nationalsozialistische Ortsgruppenleiter stand einer Ortsgruppe der NSDAP vor. Er gehörte dem „Korps der Politischen Leiter“ an und war nebenberuflicher „Amtswalter“ der Partei. Der Ortsgruppenleiter (gelegentlich auch als Ortsgruppenführer bezeichnet) stand in der pyramidenförmigen Leitungsstruktur der NSDAP auf der dritten Ebene von unten über dem Zellenleiter und dem darunter stehenden Blockwart (Blockleiter). Oberhalb des Ortsgruppenleiters folgten die Kreisleiter, die 32 Gauleiter, die 18 Reichsleiter sowie der Führer und dessen Stellvertreter.

In Rankweil (mit Laterns und Übersaxen) nahmen diese einflussreiche nationalsozialistische Funktion war:

Ortsgruppenleiter in Rankweil:
Hans Hämmerle                   –  1932
Riedmann Otto         1932   –  1935
Ludescher Hans       1935   –  1938        später Organisationsleiter
Dr. Schöch Franz     1939   –  1940         davor Bürgermeister
Kitzberger ?             1940   –  1943         ?
Wagner Franz          1944   –  1945        Oberfeldmeister, Abteilungsführer  RAD
Franke Ernst           1945                       SS-Standortführer, Organisations/Propagandaleiter, Ortsverteidigungskommissar

Stationiert war die Ortsgruppenleitung im ehemaligen Arzthaus der Valduna, gleichzeitig Rathaus.


Otto Riedmann ist im Jahre 1931 der NSDAP in Rankweil beigetreten und erhielt die Mitgliedsnummer 782.802 zugewiesen. Von 1932 bis 1935 hatte Riedmann die Führung der NSDAP Ortsgruppe Rankweil inne. Ende 1935 ging das Amt des Ortsgruppenleiters an Hans Ludescher weiter. 

Bei der polizeilichen Einvernahme gab Riedmann an, er sei 1931 auf Drängen des damaligen illegalen Ortsgruppenleiters Hans Hämmerle der NSDAP beigetreten. Als dann später Terrorakte durch Böllerschiessen und Sprengungen einsetzten, habe er sich entschieden dagegegen gestellt. Der Zeuge Franz Schöch gibt zu Protokoll: „Riedmann war ein Gegner der Terrorakte“.

Otto Riedmann, geb. 27. 9. 1988 in Klaus, wohnhaft in Rankweil Nr. 65, als Zimmermann bei der Firma Riedmann und Scheidbach, Baugeschäft in Rankweil beschäftigt. 1909 vom Bezirksgericht Feldkirch zu 5 Tagen Arrest verurteilt, 1913 vom Kreisgericht Feldkirch zu 6 Wochen Kerker.


Der Rankweiler Hans Ludescher war von 1935  bis Ende 1938 Ortsgruppenleiter der NSDAP in Rankweil. In dieser Funktion folgte ihm Dr. Franz Schöch nach. In den folgenden Jahren nahm Ludescher die Aufgabe des Organisationsleiters der NSDPA war.

Von Beruf war er (erfolgreicher) Holzhändler, welcher es zu beachtlichem Wohlstand brachte.  Sein Geld habe er noch rechtzeitig in der Schweiz deponieren können, sodass er nach dem Krieg ausreichend Mittel für eine erfolgreiche Fortführung des Geschäftes mit Holzhandel zur Verfügung hatte. Auch in dieser Zeit sollen ihm seine guten Beziehungen zu früheren NS-Bonzen nicht geschadet, sondern genützt zu haben.


In einer Ortsgruppenversammlung der NSDAP im festlich geschmückten und dicht besetzten Stickereilokal der Gebrüder Rauch (Anfang Dezember 1938) wurde Dr. Franz Schöch auf Vorschlag des Kreisleiters Dr. Hammerbacher zum Ortsgruppenleiter bestellt. Er löste damit (den treuen nationalsozialistischen Kämpfer) Hans Ludescher ab. Als Dr. Schöch Ende 1940 zum Militärdienst wechselte, wurde Kitzberger sein Nachfolger als Ortsgruppenleiter.

Nach Kriegsende wurde Dr. Franz Schöch von der französischen Besatzung im Anhaltelager Brederis festgehalten. 


Kitzberger war Ortsgruppenleiter von Rankweil in den Jahren 1940 bis 1943. Mit der Bestellung einher ging seine Beförderung zum Zollinspektor beim Bahnzollamt Feldkirch .


Franz Wagner
Mehrfach wird berichtet, dass Franz Wagner zu jenen Nationalisten gehörte, welche in Rankweil den ärgsten Druck auf die Bevölkerung ausübten. Der in Böhmen geborene Wagner („in seiner Art glich er einem gestiefelten Preußen“) war Oberfeldmeister des RAD im Reichsarbeitsdienstlager in Rankweil Brederis.

Von November 1943 bis 22. April 1945 war Wagner Ortsgruppenleiter in Rankweil. Auf sein Betreiben wurden gegen Kriegsende in der Hinterletze auf beiden Talseiten Verteidigungsanlagen errichtet. Als die anrückenden französischen Truppen in die Nähe des Bodensees gelangten, soll er den Befehl an die RAD-Männer gegeben haben, alle Häuser Rankweils, welche die weiße Fahne hissen, niederzubrennen und deren Bewohner umzubringen.

Wagner selbst flüchtete nach Marul, dann in den Satteinser Wald, wo er sich als „Ortskommandant von Satteins“ betätigte. Ab 26. April 1945 beorderte der Oberstfeldmeisters Wagner aus dem RAD-Lager Rankweil und aus anderen Lagern 800 RAD-Männer nach Satteins. Unter seinem Kommando  sollten diese zum Stellungsbau und als Kampfformation (am Schwarzen See) eingesetzt werden, lösten sich aber vor dem Eintreffen der Franzosen am 4. Mai von selbst auf.
Wagner wurde von den Franzosen festgenommen und in das Anhaltelager Brederis verfrachtet. Nach seiner Entlassung lebte er bis zu seinem Tod 1986(?) in Rankweil Südtirolerstrasse.

Auszüge aus:
VLA: BH Feldkirch: NS-Registrierung 1946-1948: Ortsgruppenleiter Rankweil, Laterns und Übersaxen, Rankweil 17.02.1947

VLA: GendChroniken (MFJ)
Schelling, Festung Vorarlberg, S. 136-137
Kessler/Sperandio, Pfarrer ufm Berg, S. 106 


Ernst Franke, geboren 1894 in Zerbst/Sachsen-Anhalt, ist Ende der 1920er Jahre mit seiner Familie nach Rankweil gekommen und hat hier eine Eisengießerei in der Zehenstraße errichtet.

In einem Bericht des Gendarmeriepostenkommandos Rankweil vom 14. Juni 1934 wird der Eisengießer Ernst Franke als fanatischer Anhänger dieser Partei [NSDAP] bezeichnet.

1938 hatte sich Ernst Franke vergeblich um den Bürgermeisterposten in Rankweil bemüht. Es reichte aber für den SS-Hauptscharführer Franke zum stellvertretenden NSDAP-Ortsgruppenleiter und Propagandaleiter. Am 23.04.1945 brachte er es zum NSDAP-Ortsgruppenleiter und damit fungierte er zu Kriegsende als „Ortsverteidigungskommissar“.

Nach Kriegsende wurde Ernst Franke im Anhaltelager Brederis inhaftiert.


Rechte und Pflichten eines Ortsgruppenleiters


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