Mit der Rhätischen Bahn in der Graubündner Bergwelt unterwegs

Die „Kleine Rote“, wie die Rhätische Bahn liebevoll auch genannt wird, führte mich wohl schon ein dutzend mal durch die herrliche Graubündner Bergwelt. Dabei meide ich die berühmten Luxuszüge Glacierexpress (St. Moritz ↔ Zermatt) und Berninaexpress (Chur ↔ Tirano). Diese sind mir zu luxeriös und zu touristisch, billing sind diese auch nicht.

Ich bevorzuge regionale Zugverbindungen. So kann ich die Reiseroute nach meinen Vorstellungen planen und die Fahrt an interessanten Orten (deren gibt es zahlreiche) Halt und einen Abstecher machen.

In der Regel führt mich die erste Etappe von Chur über die Albulastrecke nach St. Moritz. Auf der Strecke dorthin – kurz vor Filisur – dort zweigt eine Strecke nach Davos ab – erreicht der Zug das imposante Landwasserviadukt, welches als Wahrzeichen der Rhätischen Bahn gilt. Kein Wunder, dass die Albulabahn (und die Berninabahn) zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde!

Die weitere Streckenführung ist bahntechnisch der anspruchsvollste Abschnitt der Albulabahn: Um die Höhendifferenz von 417 Metern zwischen Bergün und Preda – bei nur 6,5 km Luftlinie – zu überwinden, ohne zu starke Steigungen oder Radien zu erzwingen, wurde die Strecke durch Kunstbauten (unter anderem drei Spiral- und zwei Kehrtunnel und vier talquerende Viadukte) auf 12 Kilometer verlängert. Durch die genannten Kunstbauten überquert die Strecke zweimal sich selbst. Dies ist nicht nur für einen „alten Eisenbahner“ eine faszinierende Streckenführung.

Erster Stop in St. Moritz
In den Sommermonaten und bei gutem Wetter kann man dort auf einen lokalen Zug umsteigen, welcher am Schluß zwei offene Wagons mitführt. So kommt man „Oben ohne“ über die Alpen!

In der Station Diavolezza steige ich oft auf die Seilbahn auf den Diavolezza (2.978 m) um. Dort oben bietet sich ein grandioses Panorama mit herrlichem Blick auf die alpine Gletscherwelt, wie den Piz Bernina, dem einzigen Viertausender (4.048 m) der Ostalpen, sowie den Piz Palü (3.900m).

 

Wieder vom Diavolezza (Teufelsberg) herunter, geht es auf der Berninastrecke über Ospizio Bernina (mit 2.253m die höchstgelegene Bahnstation im Netz der Rhätischen Bahn) – vorbei am Lago Bianco – weiter über zahlreiche wildromantische Kehrschleifen und Tunnels hinab ins Puschlav.

 

Beeindruckend die Fahrt über das Kreisviadukt Brusio, bevor wir nach Tirano (429 m) gelangen. In zweieinhalb Stunden sind wir vom knapp 3.000 m hohen Diavolezza ins italiensiche Veltlin (429 m) hinab gefahren.

Tirano, Italien

Auf der Rückfahrt  empfiehlt sich in Alp Grüm Halt zu machen! Alp Grüm bietet einen herrlichen Blick auf den Palügletscher.

Das Hotel Ristorante Alp Grüm bietet kulinarische Köstlichkeiten und Möglichkeit zur Übernachtung. Das direkt an der Bahnstation gelegenen  Restaurant, ist das einzige in der Schweiz, welches nur mit der Bahn erreichbar ist.

Weiter ins Unterengadin
Nach kurzer Pause geht es – mit Umstieg in Pontresina – über die Unterengadinerlinie nach Ardez. Die Bahnstrecke führt über 50 km, links und rechts des Inn (Engadin = enger Inn) über zahlreiche Brücken, Viadukte und Tunnels bis nach Scuol-Tarasp.

Ardez mit 400 Einwohnern ist ein Musterdorf mit beispielhafter Restaurierung der typischen Engadinerhäuser aus dem 17. Jahrhundert. Dreiviertel der Bewohner sprechen Rätoromanisch, genauer die bündnerromanische Mundart Vallader.
Ardez hat eine sehr bewegte Geschichte hinter sich: Auf Wunsch des Bischofs von Chur entsandte der österreichische Kaiser ein Jägerbataillon ins Engadin. 1622 wurde das protestantische Ardez durch den katholisch-österreichischen Feldherrn Alois Baldrion dem Erdboden gleichgemacht. Die Ardezer blieben aber trotzdem protestantisch.

Zurück nach Chur
Nach kurzem Bummel durch Ardez und Blick von der Ruine der Burg Steinsberg geht es mit der Rhätischen wieder weiter.

Von Ardez auf der Engadinbahn ein kurzes Stück bis Sagliains und durch den Vereinatunnel (~20 km) nach Klosters. Ab hier geht es auf der Davoserlinie durchs Prättigau nach Landquart und weiter nach Chur zurück.